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KIAH ROYAL
Live immer noch einen draufzusetzen, ist für LaBrassBanda noch nie ein Problem gewesen. Die notorisch vollgasfreudigen Blasmusik-Tanzpop- Wahnsinnsknaben aus dem Chiemgau  haben in den letzten Jahren so viele  Clubs,  Hallen,   Bierzelte  und  Festivals,   ja   sogar  eine  ESC-  Vorausscheidung schwindlig gespielt, dass sie dafür längst ein bisschen weltberühmt  sind:  Kaum eine lebende Liveband hat einen  dermaßen  kurzen Draht zu ihrem Publikum –  wo  bei  anderen  Bands  der  gern  zitierte  „Funke  überspringt“,  findet  zwischen  LaBrassBanda  und  ihren  Fans ein ungedimmter Energiefluss statt; quasi Standleitung.  Was   aber   tut   diese   Band,   wenn   sie   mal   einen  Gang   oder  vier
zurückschalten  will?  Die  Idee  und  die  Lust  darauf,  sich  mal  von  einer  ganz  anderen, ruhigen   Seite   zu   präsentieren   und   ein   stromloses,  akustisches,  unverstärktes  –  woanders  nennen  sie  es  „unplugged“  –  Konzert  aufzunehmen,  trug  die  mittlerweile  zum  Oktett  gewachsene  Band um Meisterhirn Stefan Dettl schon länger mit sich herum. Für so  ein  Konzert  ein  hübsches  kleines  Theater  anmieten  oder  an  einem  lauschigen    Plätzchen ein    gemütliches    Open    Air zu spielen –
Möglichkeiten  hätt’s  viele  gegeben.  „Aber  uns  war  klar“,  sagt  Stefan  Dettl, „wenn wir vor Leuten spielen und die uns anpushen, dann geht das  nicht. Da sind wir sofort infiziert und geben die Energie zurück, und dann  geht’s dahin. Wir brauchen ein Publikum, das uns null anstachelt. Und  das wären Kühe.“
Ein Konzert im Kuhstall – das klingt aufs erste wie ein Gag und originell. Aber  die tiefere  Sinnhaftigkeit  dieser  Idee  wird  schnell  jedem  klar,  der  sich  einmal  längere  Zeit  in  einem  (gut  geführten)  Kuhstall  aufgehalten  oder  gar  mit  Kühen  gearbeitet  hat:  Nichts  holt  dich  so  natürlich  und  vollorganisch von deinem Stresslevel herunter wie eine Kuh oder gar ein  ganzer  Stall  voll.  Ein  Kuhstall,  wenn  mit  der  richtigen  Haltung  und  mit  Respekt betreten, kann wirken wie ein begehbarer Stresskompensator,
der in einer Art Ruhe-Rückkopplung die Hektik  regelrecht aus einem herauszieht; mehr ZEN-mäßig, verstehn S’. Dazu haben  Kühe  –  und  das  gilt  nicht  erst  seit  den  Zeiten,  als  es  unter progressiven Landwirten Mode war, für gedeihlicheren Milchfluss im Stall Mozart-Sonaten säuseln zu lassen – durchaus Sinn für Musik. Gemütlich sollte sie halt sein. Und so war die Aufgabenstellung für Dettl und seine
Band  gesetzt:  Alle  Systeme  auf  Schubumkehr.  „Uns  war  klar:  Wir müssen so schön und leise und gut Musik machen, dass es den Kühen gefällt.“  Wild  pulsierende  Stücke  wurden  konsequent  umarrangiert,  der  Band jegliche Elektrik entzogen – Kontra- statt EBass, Ukulele, Akustik-  statt  E-Gitarre.  „Wir  haben  vier  Wochen  geprobt  und sind  immer  leiser  geworden, von Tag zu Tag. Und am Ende waren wir so leise, dass die  Gesangsstimme quasi das lauteste Instrument war und wir komplett  unverstärkt spielen konnten.“
Ein Bauer, der sich dieses einzigartige Projekt für sich und seine Kühe  vorstellen    konnte,    war    auch    schon    gefunden,    nicht    weit    vom  Bandhauptquartier   Truchtlaching   in   Höllthal   –   ein   im   nördlichen  Chiemgau  sozusagen  rockmythologisch  aufgeladener  Name;  in  dem  kleinen Weiler direkt an der Alz fanden in den 80er und 90er Jahren die,  ja: legendären Höllthal Open Airs statt.  Der   Laufstall   für   80   Bewohnerinnen   wurde   zart   verkabelt   und   mit  minimaler Beleuchtung ausgestattet. Und an zwei Tagen im April nahm  die Band dann auf dem Futterplatz in der Mitte des Kuhstalls Aufstellung zum Konzert. „Am Anfang waren wir noch recht nervös, die Kühe auch  ein  bisschen“,  erinnert  sich  Stefan  Dettl.  „Aber  dann  wurden  wir  alle  immer  ruhiger  und  haben  sehr  beseelt  in  das  Konzert  hineingefunden.  Wir  hätten  nicht  geglaubt,  dass  man  mit  Kühen  zusammen  so  ein  schönes Musikerlebnis haben kann.“
Und dieses Erlebnis macht der Mitschnitt, der jetzt unter dem Titel „Kiah  Royal“  (Dialekthilfe:  „Kiah“,  oberbairisch  Mehrzahl  von  „Kuah“,  sprich:  Kühe) auf DVD, CD und Vinyl erscheint,  dankenswerterweise auch für Außenstehende und Nicht-Kühe  erfahrbar. Eines ist mal sicher:  So
besonders, so naturnah und bei sich, so konzentriert in sich ruhend und auf die Essenz ihrer Musikalität  zurückgeführt, hat man LaBrassBanda noch nie gehört. 12 LBB-Originale  von  der  „Autobahn“  über  den  „Bauersbua“  bis zum „Roten Hoserl“ erscheinen in teils völlig neuem  klanggewand, irgendwo zwischen Standkonzert und Hoagascht und Tanzlmusi. Dazu haben drei
musikalische Gäste in den Stall im Höllthal gefunden: Aus Hamburg kam Rocko Schamoni, um mit der Band seinen Hit „Der Mond“ vor die Kühe zu  bringen, für Trio-Altmeister  Stephan  Remmler  wurde  dessen  80er- Jahre-Gassenhauer „Keine Sterne in Athen“ in die Blasmusik überführt und Ex-Biermösler Christoph „Stofferl“ Well gab passenderweise seinen Milchbauern-Solidaritäts-Rap „40 Cent“ zum Besten.
Der Kuhstall als „Stimmungsort“ funktioniert wunderbar, auch akustisch.
Stefan  Dettl:  „Das  gemütliche  Fressen  von  Heu,  hier  mal  aneinander  reiben, da mal ein Schnaufer und ein bisschen umeinandermuhen – das hört   man   natürlich,   das   ist   uns   auch   wichtig   fürs   Ambiente.“   Die Bewohnerinnen, zu denen die Band wie könnte es anders sein – dann  doch wieder einen ganz kurzen Draht bekommen hat, erfahren übrigens noch eine ganz besondere Würdigung: Im formidablen Artwork zu „Kiah Royal“  werden Pulsa,  Venus,  Vinka, Waschel, Sindra und wie sie alle
heißen mit Portraitfotos in der „Special Box“ gar mit Sammelkarten auf Heu  gebettet  verewigt sein. Und  das  hat  tatsächlich auch  noch  kein LBBPublikum geschafft.
Josef Winkler, MUH
Lassen Sie sich folgenden Termin nicht entgehen:
12.07.2015 – Volkach – Weinfestplatz
Eintrittskarten sind an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich oder telefonisch unter der Ticket-Hotline  01806 – 999 000 200 (0,20 EUR / Anruf, Mobilfunkpreise max. 0,60 EUR/Anruf) sowie unter  www.tourneen.com