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Chris Laut, seines Zeichens Sänger und Kopf der Band „Ohrenfeindt“ kam mit seiner neue CD „Auf die Fresse ist umsonst“ am 02. September 1013 in den Fürther Saturn und gab dort nicht nur Autogramme, sondern promotete auch seine neue Scheibe. Nachdem sich Chris von den Rest seiner Band trennte, sind jetzt Thorsten Mewes (Gitarre) und Andreas Rohde (Schlagzeug) bei „Ohrenfeindt“ mit an Bord. Thorsten Mewes kommt eigentlich von Die Happy und spielt jetzt bei beiden Bands parallel. Nach der Autogrammstunde nahm sich Chris Laut noch Zeit, uns ein kurzes Interview zu geben:
burnout-events.de: Wie kam es zu der Idee für die Autogrammstunde in Fürth?
Chris: Wenn Du eine neue Platte machst, musst Du auch was dafür tun, damit sie bekannt wird, also die Platte promoten – und da gehören Autogrammstunden dazu. Außerdem lieben wir den Kontakt zu unseren Fans!
 
burnout-events.de: Hast du schon Rückmeldung bekommen ob die Releasepartys gut angekommen sind?
Chris: Das merkst Du sofort am Merchandise-Stand. Wir haben Freitag in der Nähe von Passau auf einem Rockfestival gespielt und Samstag in Wilhelmshaven an der Nordseeküste. Und da kriegst Du schnell mit, wie die Stimmung ist, ob die Gäste danach die Platte, Autogramme und T-Shirts haben möchten oder zumindest mit Dir reden wollen. Wir gehen nach der Show immer raus und geben Autogramme – wir sind sozusagen eine Band zum Anfassen.
 
burnout-events.de: Zur neuen Scheibe: Wie seid ihr mit eurem Werk zufrieden?
Chris: Musiker sagen ja oft, die jeweils neue Scheibe sei das beste Album, das sie je gemacht hätten. Und aus der eigenen Sicht stimmt das ja auch. Wenn man es zu diesem Zeitpunkt noch besser hätte machen können, hätte man das schließlich getan, und ein Album ist ja – hoffentlich – eine Weiterentwicklung. Man hört neue Sachen, hat neue Ideen und baut auf dem Vorherigen auf. Von daher stimmt es also eigentlich immer, dass man gerade das bestmögliche Album gemacht hat. Das ist jedenfalls mein Ansatz: das Beste zu machen, was in dem Moment möglich ist. Dieses Album ist etwas anders als die vorherigen, im Bandkontext entstandenen. Die alte Besetzung hat sich im Vorfeld getrennt, und so ist das Album eben anders entstanden als sonst. Es ist – sagen mir die Menschen, die es bisher gehört haben – etwas breiter aufgestellt, variabler und moderner, ohne dabei aber den Kern von Ohrenfeindt aus den Augen zu verlieren.
 
burnout-events.de: Wie kommst du auf die Ideen zu deinen Songs?
Chris: Das eine ist die Musik, und die Texte entwickeln sich ja oft dazu. Du kannst eine Nummer mit schnellen, poppigen Beats selten mit tieftraurigen Texten kombinieren. Manchmal steht auch zuerst der Text und die Musik wird drumrum komponiert, manchmal entsteht beides gleichzeitig. Die Ideen kommen aus dem Nichts – Du hast plötzlich eine Textzeile oder Melodie im Kopf, wo auch immer sie her kommt. Terry Pratchett (englischer Fantasy-Autor, Anm. d. Red.) hat dazu ein schönes Bild geschaffen: „Ideen sind eine Art unsichtbare Materie, die durch den Raum schwirren und bei manchen Menschen mit besonderen Antennen hängen bleiben.“ Ich mag dieses Bild, weil es diese Sache sehr gut erklärt.
 
burnout-events.de: Wie geht es nach den Releaseshows weiter?
Chris: Meine Mitmusiker haben erst mal bis Mitte Oktober frei. Für mich ist es etwas stressiger, da ich viel unterwegs bin, um Autogramme und Interviews zu geben. Das ist aber gut und richtig so: Wenn ich das nicht mögen würde, hätte ich den falschen Beruf.
 
burnout-events.de: Wie hält man sich unterwegs und auf Tour fit und bei Laune?
Chris: Das liegt oft daran, wie man sich im Bus versteht. Zwei Stunden am Tag ist man zusammen auf der Bühne – aber 10, 12, 14 Stunden zusammen im Bus, und diese Stunden sind entscheidender. Wenn man nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Bus gut miteinander auskommt, klappen die Dinge auch dann, wenn mal einer krank ist oder schlechte Laune hat. Das ist auch immer gut für die Show und damit letztendlich für die Gäste, die ein Recht auf eine gute Show haben! Bei uns in der jetzigen Formation mit Thorsten und Andi und der Crew läuft das echt super. Wir haben eine geile Stimmung an Bord, es macht großen Spaß und wir haben das gleiche Humorverständnis, was ja immens wichtig ist. Eine Band ist meines Erachtens wie eine Beziehung, nur mit mehr Leuten und weniger Körperkontakt. Wenn Du nicht über die gleichen Dinge lachen kannst, wird die Beziehung scheitern – und die Band auf lange Sicht eben auch.
 
burnout-events.de: Frei.Wild steht ja derzeit stark in der öffentlichen Kritik und damit gewissermaßen auch die Deutschrock-Szene. Wie ist deine objektive Meinung dazu?
Chris: Objektiv kann da vermutlich keiner wirklich sein. Frei.Wild sind sicher nicht deckungsgleich mit der Deutschrockszene, auch wenn sie deren momentan vielleicht erfolgreichste Band sind, insofern muss man das vermutlich auch unabhängig voneinander betrachten. Ich finde den Umgang mit Frei.Wild insgesamt schwierig. Ich höre oft: „Die sind doch gar nicht rechts“. Das ist aus meiner Sicht aber auch nicht die eigentliche Kritik. Es geht um das Spiel mit bestimmten Klischees, und das ist nun mal ein Spiel mit dem Feuer. Da muss jeder Musiker oder Künstler selbst wissen, wie weit er gehen will, aber dann eben auch mit den Konsequenzen leben. Vermutlich ist die Band nicht ganz unschuldig daran, dass sie so gesehen wird, wie man sie sieht. Ich selbst sehe das, was ich bisher mitbekommen habe, mit einer ordentlichen Portion Unwohlsein, müsste mich aber noch intensiver mit Frei.Wild befassen, um eine einigermaßen fundierte Meinung zu entwickeln. Musikalisch ist der Streetpunk, der die Deutschrockszene im Moment dominiert, nicht so meine Baustelle, wir bedienen da ein anderes Feld. Unsere Musik ist strikt unpolitisch – wir sind Hardrocker australischer, amerikanischer und britischer Prägung (AC/DC, Aerosmith, Led Zeppelin usw.) und da tickt Frei.Wild musikalisch einfach anders. Auch mit den Texten, die – wie die Band selbst sagt – sehr stark von der Lebenswirklichkeit Südtirols geprägt sind, kann ich wenig anfangen. Ich bin schließlich ein Ostfriese, der schon sehr lange auf St. Pauli lebt.
 
burnout-events.de: Was plant ihr so für die Zukunft?
Chris: Erstmal Doppelplatin, dannWeltherrschaft (lacht). Im Ernst: ich wünsche mir, dass wir immer viel touren und immer wieder neue Platten machen. Und das noch möglichst lange, da ich es liebe, auf der Bühne zu stehen. Für mich ist das ein Lebenselixier. Ich bin gern unterwegs, sehe gern Orte, die ich noch nie gesehen habe und lerne gern Leute kennen, die ich sonst nie getroffen hätte. Darum ist der Beruf des tourenden Musikers wohl der ideale Beruf für mich. Ich lebe meinen Traum, mache einfach weiter wie bisher und hoffe dabei, dass OHRENFEINDT immer ein bisschen weiter wächst. Das ist mein Plan für die Zukunft.